»Datenkrake Bildungssystem - 2+2=5«
2018-10-24, 17:00–17:45, Saal 1

BIFIE, SOKRATES, Bildungsevidenz - der Staat, und in seinem Auftrag Private, sammeln ständig und über Jahre hinweg Daten von Österreichs Kindern in einer Umgebung, die eigentlich sicher sein sollte - in der Schule. Eine Elterninitiative hat die BiStÜ 2018 des BIFIE boykottiert und stellt kritische Fragen.

Am 15. Mai 2018 finden an etwa 3000 Volksschulen in Österreich Bildungsstandüberprüfungen im Fach Mathematik statt. Eine Gruppe kritischer Eltern an einer Salzburger Volksschule beginnt, die Vorgangsweise des ausführenden Testinstituts BIFIE zu hinterfragen. Sie analysieren Gesetze, parlamentarische Anfragebeantwortungen und stellen dem BIFIE unangenehme Fragen, die bis heute nicht zufriedenstellend beantwortet werden konnten. Dabei stoßen sie auf eine ganze Datenindustrie, die die Kinder im österreichischen Bildungssystem über Jahrzehnte beobachtet, kognitive Fähigkeiten auswertet und sozio-ökonomische Daten erhebt. Nach dem Willen der Bundesregierung soll dies nun sogar ausgedehnt werden und schon bei den Kleinsten im Kindergarten beginnen. Nach 25 Jahren haben die Tester eine Datensammlung, die die kognitive und soziale Entwicklung eines Menschen komplett abbildet. Vergleiche mit dem standardized testing in den USA zeigen, das Bildungssystem in Österreich ist mehr und mehr datengetrieben und datenhungrig. Nur im Unterschied zu den USA gibt es hier kein opting out...

Der Talk soll dabei folgende Fragen adressieren:

  • Wozu hat das BIFIE eine gesetzliche Ermächtigung für private Dritte Forschung zu betreiben, von Nestlé über Facebook bis hin zur russischen Regierung? Und warum darf es dabei auf vorhandene, im staatlichen Auftrag erhobene Testdaten zugreifen?

  • Warum unterliegt das BIFIE beim Zugriff auf die zentrale Bildungsevidenz nicht den gleichen strengen gesetzlichen Beschränkungen wie die Schulbehörden?

  • Warum werden bei den Tests Leistungsdaten indirekt personenbezogen und nicht anonym erfasst? Warum wird ständig bestritten, dass die Identifizierung des einzelnen Kindes jederzeit möglich ist?

  • Wenn nach dem Willen der Bundesregierung das BIFIE aufgelöst wird, wer bekommt die Daten? Droht der Markteintritt von Test-Konzernen wie Pearson in Österreich?

  • Gibt es überhaupt jemanden, der in Österreich einen Überblick hat, wer mit SchülerInnen-Daten was, wann und wo macht? Online-Schulbücher, Bildungsevidenzen, Datenmigrationen, Testungen, Contracting out von Bildungs- und Forschungseinrichtungen haben ein nicht mehr zu überblickendes Ökosystem an Datenprozessen entstehen lassen. Die Frage nach einer transparenten und offenen Architektur und nach unabhängigem Auditing stellt sich dringender denn je.